Der Rockstar, der dich schlafen lässt: El Diviso Ombligón Decaf

Der Rockstar, der dich schlafen lässt: El Diviso Ombligón Decaf

Ein Rockstar, der dich trotzdem schlafen lässt? Genau den hatten wir diesen Monat im Rockstar-Abo. Klingt nach Widerspruch, ist aber der Grund, warum dieser Kaffee doppelt besonders ist.

Normalerweise steht im Rockstar-Abo das Auffällige, das Seltene, das Laute. Diesen Monat haben wir den Spieß umgedreht: Unser Rockstar ist ein Decaf – ein entkoffeinierter Kaffee, der geschmacklich alles mitbringt, was einen grossen Auftritt ausmacht, dich am Abend aber trotzdem in Ruhe lässt. Es ist der El Diviso Ombligón aus Pitalito, Huila in Kolumbien. Und er ist gleich in zweifacher Hinsicht ungewöhnlich: eine der spannendsten neuen Varietäten Kolumbiens, und das Ganze koffeinfrei.

Ombligón

Fangen wir beim Namen an, denn der ist die kleine Geschichte hinter dem Kaffee. „Ombligón“ kommt vom spanischen ombligo – "Bauchnabel". Die Kaffeekirsche trägt an der Stelle, wo die Frucht am Ästchen sitzt, eine winzige, runde Vertiefung. Ein Bäuchlein mit Nabel, sozusagen.

Ombligón ist eine junge Varietät, die erst im letzten Jahrzehnt auf den Farmen in Huila aufgetaucht ist. Ihre genaue Abstammung wird noch erforscht – vieles deutet auf eine natürliche Mutation innerhalb der in der Region verbreiteten Arabica-Sorten hin. Wir versprechen dir hier also keinen fertig geschriebenen Stammbaum, sondern erzählen dir, was gesichert ist: Ombligón reift schön gleichmässig, entwickelt beim Reifen viel Zucker und kommt mit grosser Höhe gut zurecht. Genau diese Kombination macht sie bei experimentierfreudigen Produzenten so beliebt – sie liefert Komplexität, ohne die Süsse zu verlieren.

Der Mann dahinter: Nestor Lasso, Finca El Diviso

Gewachsen ist dieser Lot auf der Finca El Diviso von Nestor Lasso und seiner Familie, rund 1.850 Meter über dem Meer bei Pitalito im Süden Huilas. Die Lassos gehören zu einer neuen Generation kolumbianischer Produzent:innen, die sich einen Namen mit präziser, experimenteller Fermentation und seltenen Varietäten gemacht haben – neben Ombligón findet man bei ihnen auch Chiroso, Sidra und Geisha. Ihre Kaffees tauchen regelmässig auf internationalen Auktionen und Wettbewerbsbühnen auf. Kurz: Hier arbeitet jemand, der genau weiss, was er tut.

Aufbereitet wurde dieser Lot natural – die Kirsche trocknet also samt Fruchtfleisch um die Bohne herum. Das ist die Aufbereitung, die einem Kaffee die tiefen, fruchtig-fermentierten Noten mitgibt, für die die Lassos bekannt sind.

Decaf, aber richtig gemacht

Jetzt zum zweiten Teil des „doppelt besonders“. Diesen Kaffee gibt es entkoffeiniert – und zwar im Sugar-Cane-Verfahren (auch EA-Decaf). Vereinfacht: In Kolumbien wird aus Zuckerrohr-Melasse ein natürlicher Stoff namens Ethylacetat gewonnen. Der bindet gezielt das Koffein aus der Bohne und wird anschliessend wieder ausgewaschen. Rund 97 % des Koffeins verschwinden – die Aromen bleiben zum grössten Teil da, wo sie hingehören: in der Bohne.

Klartext: Ganz „chemiefrei“ ist kein Entkoffeinierungsverfahren, auch dieses nutzt ein Lösungsmittel. Der Unterschied ist, dass das Ethylacetat hier aus Zuckerrohr fermentiert wird statt synthetisch herzustellen – und dass es unter den gängigen Methoden zu den geschmacksschonendsten gehört. Genau deshalb schmeckt dieser Decaf nicht nach „Decaf“, sondern nach richtig gutem Specialty Coffee.

Was in der Tasse passiert

Erwarte einen warmen, vielschichtigen Kaffee. Im Zentrum stehen dunkle, violette Früchte – denk an Brombeere und Pflaume – umspielt von einem feinen Hauch Lavendel und einer leisen Gewürznote. Dazu kommen die tieferen Töne, die der natural Decaf mitbringt: dunkle Schokolade, ein Anklang von Lakritz und ein sanftes Eichen-Holz im Abgang. Nichts davon drängt sich auf – es ist ein Kaffee, der eher tief als laut ist. Ein Rockstar in der Umkleide, nicht auf der Bühne.

Unser Brüh-Tipp

Dieser Kaffee spielt seine Aromatik am schönsten als Filterkaffee aus. Wir empfehlen 60 g pro Liter Wasser (also z. B. 18 g auf 300 g), Wasser bei rund 94 °C, mittlere Mahlung. Lass ihm nach dem Aufbrühen ein, zwei Minuten Zeit zum Abkühlen – die violetten Früchte und der Lavendel treten mit sinkender Temperatur erst richtig hervor. Und ja: Diese Tasse kannst du auch um 21 Uhr noch guten Gewissens aufsetzen.

Warum er ins Rockstar-Abo gehört

Weil er zeigt, wie weit Specialty Coffee heute ist. Eine seltene Varietät von einem der spannendsten Produzenten Kolumbiens, sauber natural aufbereitet, und dann noch so entkoffeiniert, dass davon kaum etwas verloren geht. Das ist kein Kompromiss-Kaffee für „wenn man abends nicht anders kann“ – das ist ein Kaffee, den man wegen sich selbst trinkt. Doppelt besonders eben. 19grams of fun in the cup, ganz ohne Koffein.