Kaffees aus El Salvador | Interview mit Sascha

Sascha Spittel (Co-Founder des Tres Cabezas Berlin Coffeeroaster) war vor ein paar Wochen in El Salvador unterwegs. Wir haben uns auf einen Kaffee und ein Gespräch zusammengesetzt.

Sascha, du bist seit über zehn Jahren regelmäßig in Mittel- und Südamerika in Sachen Kaffee unterwegs. El Salvador war jedoch auch für Dich eine Premiere. Was hast Du auf Deiner ersten Reise erlebt?

Ich bin selbstverständlich auch dort wegen der Kaffees hingefahren und habe am Best of El Salvador als Jurymitglied teilgenommen.

Best of?

Ja. Auf dieser Veranstaltung wurden die besten Kaffees des Landes verkostet und prämiert. Die Veranstaltung stand allerdings nicht, wie in den Jahren zuvor, unter der Schirmherrschaft des Cup Of Excellence sondern wurde diesmal direkt vom Consejo del Café de El Salvador ausgerichtet.

Gab es dafür Gründe?

Gründe gab es von Seiten der Cup Of Excellence Association, denn diese hat intern beschlossen, sich dieses Jahr auf fünf Anbauländer zu reduzieren. Bei dieser Umstrukturierung fielen die kleineren Kaffeeanbauländer wie El Salvador, Burundi, Nicaragua und Ruanda aus dem Programm. Das führte in der Kaffeewelt zu Kontroversen, denn die größeren Anbauländer Brasilien, Kolumbien, Costa Rica und Honduras werden weiterhin von der Cup Of Excellence Association betreut. Dort wird es also auch dieses Jahr wieder Cup Of Excellence Veranstaltungen geben. Die Reduzierung auf die gefestigten und großen Kaffeeanbauländer ist sehr umstritten. 


Was war im Ablauf anders?
Nichts. Es gab wie immer als erstes eine Vorrunde in der die nationale Jury die besten Kaffees auf den Tischen auswählte und im Anschluss kam die internationale Jury, zu der ich gehörte, um die besten Kaffees zu cuppen und zu bewerten. Am Ende gab es eine Preisverleihung. Ich muss auch sagen, dass die Durchführung des Events und auch die ganze Organisation hervorragend war. Mein Freund Rony Gamez war, wie auch schon im Vorjahr in Ruanda, der Headjudge und hat uns auch dieses Mal professionell, gut gelaunt und mit seiner ganz eigenen Begeisterung durch die Veranstaltung geführt.


Wie waren die Kaffees auf den Tischen?
Das qualitative Grundniveau war herausragend. Von ursprünglich 29 Kaffees, die wir als internationale Jury gecupped haben, sind ganze 26 in die Endauswahl gekommen. Das ist ein sehr hoher Anteil. Auch waren die ersten 3 Plätze durchweg Kaffees, die von uns mit über 90 Punkten bewertet wurden. Dafür gab es dann auch gleich noch so genannte Presidential Awards. Das sind besondere zusätzliche Auszeichnungen für die Kaffeefarmer für herausragende Kaffeequalitäten. 


Was für Eindrücke hast Du noch sammeln können?
Ich bin ja schon seit langem Fan von Kaffees aus El Salvador und bin auch schon seit längerem dabei, direkte Beziehungen zu Farmern vor Ort aufbauen. Seit langer Zeit war es mir nun endlich möglich meinen Freund Jorge Raul Rivera zu besuchen und seine Farm Santa Rosa in kennenzulernen. Sehr beeindruckend. So eine wunderschöne Pacamara Farm mitten in einem Pinienwald. Das ist eine ungewöhnliche und dementsprechend seltene Kombination. Die Pflanzen dort gedeihen prächtig. In einem sehr gesunden Umfeld. Jorge Rauls Farm befindet sich in der Region Alotepec Metapán und das ist ziemlich am Ende von El Salvador und grenzt direkt an Honduras. Man steht also mit einem Fuß in El Salvador und mit dem anderen in Honduras. Ein schönes Fleckchen Erde. Nach dem Event hatte ich die Gelegenheit die Familie der Gewinnerfarm kennenzulernen. Gemeinsam mit unserem Freund Thomas vom Elbgold in Hamburg haben wir den kompletten Tag auf den Farmen der Brüder Gerardo und Carlos Mendez und in der Region Apaneca zugebracht. Wir konnten uns davon überzeugen, dass sie diese besondere Kaffeeauszeichnung mit gutem Grund verdient wurde. Umweltschonende und organische Anbauprinzipien werden angewandt: Natürliche Schattenpflanzungen mit einheimischem Baumbestand sorgt für optimale Bedingungen. Sogar in der augenblicklichen intensiven Trockenzeit sahen die Kaffeepflanzungen kräftig und gesund aus. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit den beiden. 


Das hört sich alles sehr gut an. Wie steht es mit dem coffee rust?
Das Land erholt sich nur ganz langsam von den tiefen Schäden die der coffee rust 2013 dort verursacht hat. Damals war El Salvador von den Ländern in der Region mit am stärksten betroffen. Diese verwüstende Kaffeepflanzenkrankheit und die niedrigen Kaffeepreise haben viele Farmer in die Knie gezwungen. Bis heute werden sehr viele Plantagen schon nicht mehr bewirtschaftet, denn das Abernten und verkaufen ist dann teurer , als die Kaffeeplantagen einfach eingehen zu lassen. Die Farmer sagen, wer auf seiner Farm ein Jahr nicht erntet, nicht pflegt und nicht bewirtschaftet, wirft sich und seine Farm im Anbau um drei Jahre zurück. Das ist vielfach zu sehen und spürbar.


Was steht als nächstes an?
Nächste Woche fliege ich nach Honduras zum Cup of Excellence und treffe mich unter anderem wieder mit Rony Gamez, um ein paar Farmen anzusehen und Kaffees zu cuppen. Ich bin gespannt und freu mich drauf.


Viel Spaß! 


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